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Definiere Armut..

Ich weiß, ich schreibe hier viel zu selten, aber entweder ist inzwischen schon so viel für mich zum Alltag geworden oder ich bin zu faul alles aufzuschreiben - mein Tagebuch, in dem ich zu Beginn noch jeden Tag etwas geschrieben habe, liegt auch seit mehreren Wochen unberührt auf dem Tisch.

Ab dieser Woche werde ich relativ viel Freizeit haben, da die Schüler leider keine Zeit haben um an den Workshops teilzunehmen, da sie vor den Weihnachtsferien noch Klausuren schreiben und daher Extraunterricht bzw. Wiederholung haben. Ich nutze die Zeit vor allem um liegen gebliebene Dinge abzuarbeiten und mich mit den Texten - vor allem Gedichten - die die Schüler bereits geschrieben haben, zu befassen und zu überlegen in welche Richtung diese uns für das Magazin führen. Inhaltlich beschäftigen sich die Kids sehr stark mit ihrer Religion und ihrem Alltag, aber auch mit allgemeinen Problemen wie Schwangerschaft in der Jugend. Die Themen finde ich super interessant, vor allem weil ich denke das dies im Vergleich zu Deutschland ganz andere Themen sind, mit denen sich die Jugendlichen aus eigenem Interesse beschäftigen. Vor allem das Thema Gott und Religion hat einen sehr hohen Stellenwert. Beispielsweise bin ich schon gefragt worden warum wir vor dem Workshop nicht beten und die Frage welche Kirche ich hier in Ghana besuche habe ich auch schon öfters beantwortet. Bis hin zu Entsetzen habe ich mit meiner Antwort schon viele verschiedene Reaktionen ausgelöst: "Nein, ich gehe nicht in die Kirche, weil ich nicht an Gott glaube." Irgendwie ironisch, wenn man sich überlegt wie krass diese Unterschiede sind obwohl die Europäer das Christentum nach Afrika gebracht haben.

Außerdem bin ich gerade dabei einige Reiseziele herauszusuchen, da meine Schwester Tina mich Ende Dezember für knapp vier Wochen besuchen wird! Darauf freue ich mich schon richtig Natürlich erst einmal jemand aus der Familie wieder zu sehen und dann aber auch Ghana weiter zu erkunden. Von Accra aus werden wir wahrscheinlich etwas mehr als zwei Wochen herumreisen und dann zum Schluss zurück nach Komenda kommen. Ich bin sehr gespannt, habe ich doch inzwischen schon von sehr vielen Leuten gehört das der Norden des Landes sehr unterschiedlich zum Süden sein soll. Bisher haben wir ja nur Großstädte hier in der Umgebung besucht, wobei noch nicht so große Unterschiede aufgefallen sind. Zum Beispiel hört man oft das die Infrastruktur im Norden noch schlechter sein soll und die Menschen im generellen ärmer sind, da die Küste für den Handel und Fischfang fehlt.

Und hier kommt es auch schon - das Thema Armut. Ganz bewusst habe ich dazu bisher noch nichts geschrieben, auch wenn ich, vor allem in der Anfangszeit, sehr oft darauf angesprochen wurde. Natürlich kann ich jetzt mit dem ausgelutschten Satz "Definiere Armut" anfangen, aber auch wenn er eigentlich ganz gut passen würde, möchte ich das nicht. Natürlich haben die Menschen hier im Vergleich zu Deutschland nicht viel - aber ist das wirklich der Maßstab um Armut zu messen? Existentielle Armut habe ich hier bisher so gut wie nicht erlebt, ich kenne niemanden der hungern muss oder kein Dach über dem Kopf hat. Generell ist es hier auch einfach so das die Menschen viel näher zusammen rücken. Wenn jemand Hilfe braucht, wird geholfen. Deshalb ist es auch nicht ungewöhnlich das bis zu acht Menschen in 1-2 Zimmern wohnen, wobei diese oft nicht einmal "blutsverwandt" sind. In Deutschland unvorstellbar. Als ich einmal erzählt habe das es in Deutschland Alten- bzw. Pflegeheime gibt, in denen viele Omas und Opas leben, waren die Reaktionen eindeutig: Kopfschütteln und Unverständnis. "Wie kann man ein Familienmitglied verscheuchen wenn es am meisten Hilfe benötigt?" Ich kann da nur voll und ganz zustimmen.

Wenn von Armut gesprochen wird ist, wie sollte es auch anders sein, zunächst die materielle Armut gemeint. Klar, hier haben keine Kinder mit 9 Jahren bereits ein Smartphone, wenige Familien haben einen TV, Laptop oder sogar ein Auto. Auch das Klischee das Kinder mit Autoreifen spielen wird erfüllt. Aber ist das unbedingt schlecht? Bis auf meinen Laptop, den ich für die Arbeit und die Kommunikation mit zu Hause brauche, verzichte ich hier auch so gut wie alle "Konsummittel". Vermisse ich es? Bisher noch nicht. Die Kids können natürlich nichts vermissen was man nicht kennt und trotzdem habe ich den Eindruck das die Menschen hier im Allgemeinen glücklicher sind. Ich glaube ich habe bisher nur wenige Male einen Ghanaer gesehen der nicht glücklich war, einen unfreundlichen Ghanaer ist mir bisher noch nicht über den Weg gelaufen. In Deutschland muss man dafür oft leider nur wenige Schritte gehen. Hier lernt man einfach mit den Dingen zu leben, die sich nicht ändern lassen. Damit meine ich jetzt nicht die Armut, sondern zum Beispiel wenn Stromausfall ist. Ich kann es mir bildlich vorstellen wie sich in Deutschland jeder Zweite aufregen würde, wenn auch nur für wenige Minuten der Strom ausfallen sollte. Hier passiert das oft, meistens stundenlang - ärgert sich jemand darüber? Nein, weil man in diesem Moment einfach nichts daran ändern kann..

Ansonsten gibt es nur "kleine" Neuigkeiten. Seit knapp einer Woche haben wir eine neue WG-Mitbewohnerin - Emma, ein Hundewelpe! Die kleine Maus ist zuckersüß! Also wer Interesse hat nächstes Jahr im September ein lebendiges Mitbringsel aus Ghana zu bekommen, einfach Bescheid geben - sie ist auch schon stubenrein

Ich wünsche euch allen auf jeden Fall eine besinnliche Adventszeit. Weihnachtsstimmung kommt hier nicht so richtig auf, was bei 31 Grad und Palmen auch kein Wunder ist.. Vielleicht ändert sich das aber wenn das Paket mit Omas Weihnachtsbredlen ankommt

Fühlt euch gedrückt!

Eure Eva

4.12.13 13:39

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