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Halbzeit?!

Ich weiß, ich wiederhole mich, aber die Zeit vergeht so schnell - dass ich schon seit sechs Monaten hier bin ist total irreal. Vor allem wenn ich auf das zurück blicke was vor allem projektmäßig bisher  gelaufen ist. Leider sind wir noch nicht so weit gekommen wie wir es uns vorgenommen hatten. Das hängt zum einen damit zusammen das es relativ schwer war eine konstante Gruppe aufzubauen. Außerdem haben wir des öfteren lange unfreiwillige Pausen gehabt. Das war vor allem im Dezember und Januar der Fall – außerschulische Aktivitäten, Wiederholungen und Klausuren machten uns einen Strich durch die Rechnung. Dann stand auch  noch Weihnachten und der Jahreswechsel vor der Türe. Auch nach den Ferien den Faden wieder aufzunehmen war nicht so leicht. Es gibt in den Schulen zwar den offiziellen Schulbeginn, das bedeutet jedoch nicht dass dann auch die Schüler wieder da sind. Das liegt vor allem auch an den Internatsschülern, die in den Ferien nach Hause fahren  und dann nicht pünktlich zurückkommen. In Deutschland unvorstellbar, in Ghana Normalität. Aber nun wollen Ansgar und ich mit vollem Elan wieder durchstarten und so bald wie möglich unsere erste Magazinausgabe veröffentlichen.

In der Zwischenzeit hatten wir auch Besuch von AIM. Deutschland, die für einen Goalworkshop circa zwei Wochen in Ghana waren. Außerdem hatten wir letzte Woche unser Zwischenseminar bei den höchsten Wasserfällen Westafrikas in der Volta Region. Fünf Tage verbrachten wir dort, tauschten uns mit anderen Volos aus und reflektierten bisher erlebtes. Wir waren in einem Hotel untergebracht, das direkt an der Grenze zu Togo liegt und von einem deutschen Ehepaar geführt wird. Dieses Ehepaar war durch und durch deutsch. Das hört sich jetzt irgendwie negativ an, war aber auch so. Der Vergleich zwischen deutscher und ghanaischer Lebensweise, Einstellung und dem Verhalten prallten hier zum ersten Mal krass aufeinander – guter Stoff für Gespräche mit Diskussionspotenzial!

Seit Tina zurück in Deutschland ist habe ich ab und zu kleine Tiefpunkte. Warum? Fasching! Während meine Schwester hier war konnte ich mich gut davon ablenken, da ich jetzt zum Großteil aber wieder im Alltagstrott stecke merke ich doch wie sehr mir das fehlt. Vor allem wenn ich die Bilder von vergangenen Veranstaltungen anschaue und genau weiß, dass der ganze Verein jetzt in der heißen Phase steckt. Gott sei Dank ist bald Aschermittwoch ;-) Wobei ich niemals gedacht hätte, dass ich das eines Tages sagen würde..

Ansonsten geht es mir gut, außer das ich in letzter Zeit etwas faul geworden bin und die Motivation zum laufen gehen durch länger schlafen ersetzt wurde.. Von Malaria bin ich bisher auch noch verschont geblieben – während Ansgar, Anna und David gleichzeitig mit ihr im Bett bleiben mussten ;-) Inzwischen ist aber alles wieder gut!

Momentan genieße ich den Luxus eines Einzelzimmers, da Anna mit ihrem Freund reisen ist. Etwas ungewohnt, aber doch auch mal ganz schön etwas Privatsphäre zu haben. Aber auch ich bekomme in sechs Wochen wieder Besuch, dann werden meine Eltern hier sein! Jaja, die Zeit..

Tatsächlich habe ich es auch geschafft meinen guten Vorsatz fürs neue Jahr zu erfüllen. Ich habe Bilder in einem Album online gestellt, die ich nun auch mit meinen „Nicht-Facebook-Freunden“ teilen kann. Da ich diese aber nicht einfach so online stellen will, würde ich euch bitten mir einfach bei Interesse eine Mail an Marbach.Eva@googlemail.com zu schicken, dann werde ich euch den Link zukommen lassen.

Das wars jetzt aber erst mal von mir! Ich drücke euch aus der Ferne und sende euch ein paar warme Sonnenstrahlen!
Eure Eva   

     

26.2.14 20:12, kommentieren

I am back :)

Zuerst einmal: Frohes neues Jahr! Ich hoffe ihr seid alle gut gestartet und hattet eine schöne Feier. Am Mittwoch hab ich meine Schwester zum Flughafen gebracht, seit dieser Woche hat der Magazin-Workshop wieder angefangen, ich starte also so langsam aber sicher wieder in den Alltag.

Die Reise mit meiner Schwester war wunderschön und toll, gleichzeitig aber auch sehr anstrengend. Nachdem wir einige Tage in Accra verbracht haben sind wir in Richtung Norden nach Tamale geflogen. Von dort aus sind wir direkt in den Mole National Park gefahren. Am nächsten Tag gings dann morgens um 7 mit einer Safari los. Es war total faszinierend so nah die Tiere in ihrer natürlichen Umgebung zu sehen. Wir haben Elefanten beim Baden, Antilopen, Affen und Schweine beim Fressen gesehen – Wildkatzen sind leider eher schwierig zu sehen. Am Nachmittag haben wir dann auch noch eine Jeepsafari unternommen. Weiter ging unsere Reise dann schon wieder in Richtung Süden, wobei wir mehrere Zwischenstopps in der Nähe von Techiman eingelegt haben. Dort haben wir unter anderem Wasserfälle angeschaut und in ein Nacht in einem Affenreservat verbracht. Die Affen leben dort quasi mit den Bewohnern des Dorfes Tür an Tür – die Menschen haben nämlich den Glauben das die Affen heilig sind und alles was sie den Tieren antun später auf sie zurückfällt, daher gibt es dort sogar einen Affenfriedhof und einen Affenpriester. Am Abend und Morgen sind die Affen vor unserem Haus rumgeturnt, haben nach Essen gesucht und dort auch gespielt. Das war auch super schön die Tiere in der freien Wildbahn so unbeschwert zu sehen. Außerdem haben wir noch eine Klettertour durch die heiligen Höhlen in Tanoboase gemacht, die Vorfahren der Ashanti gelebt haben. Eine total schöne Gegend direkt in einem Teil des Regenwaldes. Nach unserer Tour sind wir auch deshalb noch im Wald geblieben, haben gepicknickt und uns einen schönen Nachmittag in der Hängematte gemacht

Wir hatten beschlossen nicht weiter nördlich als nach Tamale zu reisen. Das lag vor allem daran das 3,5 Wochen nicht gerade viel sind und somit schier unmöglich ist alle Ecken des Landes kennenzulernen, außerdem ist das Reisen - vor allem je nördlicher man kommt – doch um einiges beschwerlicher. Dort sind oft nur noch vereinzelte Straßen geteert und die Trotros sind noch schlechter ausgestattet. Wegen den Löchern in den Autos waren unsere Gesichter nach der Fahrt voller rotem Staub – aber so kann man sich immerhin schon einmal das Makeup sparen

Weiter ging es dann in die Ashanti-Region mit dem ersten Zwischenstopp in Kumasi. Unser Trotro hatte den „last stop“ direkt auf dem Zentralmarkt, was erst einmal zu Orientierungslosigkeit geführt hat. Ich bin davon ausgegangen das es in den größeren Städten nichts besonderes ist „Obronyi“s zu sehen – da hatte ich mich wohl geirrt.. Angelabert, angefasst und fotografiert zu werden, dabei gleichzeitig ein Hotel zu suchen (natürlich ohne Straßenschilder) war nicht so ganz einfach – dementsprechend genervt war ich auch schon nach kurzer Zeit. Den Eindruck den ich schon in Accra von ghanaischen Großstädten bekommen hab hat sich dadurch bestätigt. Anstrengend, laut, dreckig, viel Verkehr und noch mehr Aufmerksamkeit, in den Dörfern habe ich mich eindeutig wohler und eingegliederter gefühlt: Dorfkind bleibt wohl eben Dorfkind In Kumasi haben wir uns dann die Stadt angeschaut, waren in dem „Centre vor National Culture“ und haben zuschauen können wie die Leute gewebt, getont und geschnitzt haben. In der Nähe von Kumasi haben wir dann noch einige Ausflüge unternommen. Zum einen waren wir in Adanwomase, ein Weberdorf in dem der traditionelle Kente-Stoff genäht wird. Dann waren wir noch im Bobiri Butterfly Sanctuary, wo viele hunderte verschiedene Schmetterlingsarten im Regenwald unter Naturschutz stehen. Das war auch total schön und idyllisch, leider war keine „Saison“ für Schmetterlinge, weshalb wir nicht so viele verschiedene Arten sehen konnten. Die letzten Tage in der Umgebung von Kumasi haben wir dann am Lake Bosumtwi verbracht, wobei unser Hotelzimmer direkt am See lag Nach dem stressigen Kumasi war das die richtige Abwechslung. Am See war vor allem total interessant zu sehen wie dort gefischt wird. Da der traditionelle Glaube besteht das man den Gott Twi vor seinem Ableben in diesem Gewässer besucht, dürfen keine Eisengegenstände in das Wasser getaucht werden. Deshalb benutzen die Fischer geschnitztes Holz, dass etwas wie ein Surfbrett aussieht. Darauf legen sie sich dann und paddeln aufs Wasser hinaus. Die Netze werden mit Steinen beschwert und an Plastikflaschen gebunden.

Bevor unsere Reise dann in meine Heimat Komenda gehen sollte, wollten wir eigentlich noch die Goldminen in Obuasi besuchen. Wegen elektronischen Problemen waren die Minen aber für Besucher gesperrt, weshalb wir dann direkt nach Komenda gefahren sind. Es war wirklich schön wieder nach Komenda zu kommen und ich habe doch gemerkt wie sehr ich mich dort zu Hause fühle! Dementsprechend war ich auch froh das ich Tina die Gegend sozusagen als „Experte“ zeigen konnte. Übers Wochenende sind wir dann noch nach Tarkwa gefahren, um doch noch eine Goldmine sehen zu können. Auf dem Hinweg haben wir noch einen Zwischenstopp in Takoradi eingelegt und uns dort etwas auf dem „Circle Market“ umgesehen, welcher sich als wahres Stoffparadies herausgestellt hat Die Mine in Tarkwa habe ich dann nicht nocheinmal besichtigt, ich war ja erst knapp sechs Wochen vorher dort. Tina hat es wohl gefallen, auch wenn sie zwei Tage danach noch unter Muskelkater gelitten hat

Unsere Reise war auf jeden Fall sehr schön – natürlich habe ich mich erst mal gefreut meine Schwester zu sehen und ihr zu zeigen wie ich hier ein Jahr lang so lebe. Außerdem war es natürlich auch für mich total interessant einmal das Leben in den anderen Regionen von Ghana zu sehen. Die Mentalität und Gastfreundschaft der Ghanaer unterscheidet sich meiner Meinung nach im ganzen Land nicht, dafür gibt es große Unterschiede in den Bereichen Armut, Infrastruktur und Klima. Da ich jetzt aber keinen halben Roman verfassen will dürfen sich alle Interessierten einfach für einen individuellen Bericht bei mir melden

Fühlt euch gedrückt!

Eure Eva

Ach ja, mir ist gerade aufgefallen das ich bisher noch nichts zu meinen geliebten Trotros erzählt habe. Trotros sind alte kleine Busse, die hier als öffentliche Verkehrsmittel genutzt werden. Sie fahren immer eine bestimmte Strecke, wobei man überall ein- und aussteigen kann. Am Ausgangspunkt geht die Fahrt jedoch erst los, wenn das Trotro komplett besetzt ist. Des Öfteren werden auch einfach paar Leute mehr mitgenommen. An einer Polizei Kontrolle wird dann entweder ein Cedi „Motivation Money“ bezahlt oder ein Passagier steigt aus und nach der Kontrolle wieder ein. Der Fahrstil der meisten Fahrer ist etwas gewöhnungsbedürftig, die Hupe ist das wichtigste Utensil im Fahrzeug, überholt wird immer und überall. Falls es bei so einem Manöver doch mal zu eng werden gibt es ja immer noch einen Seitenstreifen auf den man einfach mal kurz ausweichen kann. In den Trotros selbst ist es eigentlich immer eng und heiß, trotzdem fahr ich gerne Trotro. Bei längeren Strecken wird es nach einer gewissen Zeit natürlich etwas unbequem, aber ansonsten lernt man immer nette Leute kennen, man kann die Natur genießen und aus den Fenster immer irgendetwas leckeres zu essen kaufen

24.1.14 13:01, kommentieren