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Das schlechte Gewissen...

"Ich hab letzt deinen Blog gelesen..". Hallo schlechtes Gewissen und herzlich willkommen zurück Blog - ich entschuldige mich zutiefst dafür, dass ich dich in letzter Zeit etwas vernachlässigt habe. Aber entweder fehlt die Zeit zu schreiben, die Motivation oder die Ideen. Vor den Osterferien war ich ziemlich mit dem Magazinprojekt beschäftigt, jeden Tag an einer anderen Schule oder mit Schülern unterwegs um zu recherchieren oder Interviews zu führen. Als dann Ferien waren kamen meine Eltern zu Besuch - nochmal 10 Tage Reiseführer spielen, die ghanaische Welt erklären und merken, wie selbstverständlich alles für mich geworden ist. "Mama, wieso fotografierst du das? Ist doch normal das ein Kind einen Bierkasten auf dem Kopf trägt!" Echt interessant und auch lustig diese Unterschiede mitzubekommen. Auch das ist einer der Hauptgrunde warum ich doch so wenig hier schreibe, für mich ist irgendwie alles Alltag und in Deutschland würde ich ja auch keinen Blog darüber schreiben wie ich jeden Morgen beim Bäcker Weckle kaufe. Wenn dann doch mal was "schreibenswertes" passiert, macht mir das Internet einen Strich durch die Rechnung. An meinem Laptop in Komenda hab ich grad überhaupt keinen Zugriff aufs Internet, weil die Verbindung so langsam geworden ist, dass es sich nicht lohnt da rein zu investieren. Und dann muss ich ja auch noch so schreiben, dass ihr das auch so versteht wie ich das meine. Es ist nicht so einfach über eine komplett andere Kultur zu schreiben ohne irgendwelche Vorurteile zu bestätigen oder gar neue zu schüren. Dafür müsste ich viel mehr Erklärungen abgeben und darsuf hab ich nicht so wirklich Lust. Was mir auch wieder mal aufgefallen ist, ist wie anstrengend es ist Kontskt nach Deutschland zu halten. Vielen Verschiedenen das Gleiche am Telefon zu erzählen oder in whatsapp zu schreiben ist irgendwann dann doch nicht mehr so interessant. Jaja, der Alltag. Was sonst so passiert ist? Am 1. Mai (auch hier Feiertag) haben wir versucht eine beue Tradition in Ghana einzuführen - den Mailauf! Mit Bollerwgen, Musik, ganz viel Essen und Bier sind wir zusammen mit Freunden losgezogen. Das Ziel: Der Strand :-) Der Tag hat wirklich total viel Spaß gemacht, auch wenn es für die Ghanaer im ersten Moment komisch war mit Bier auf der Straße herumzulaufen.. Wir werden unseren Nachfolgern ans Herz legen diese neue Tradition fortzuführen. Was in nächster Zeit so passieren wird? Nächste Woche gehen die Workshops weiter, die Schule hat zwar diese Woche wieder angefangen, aber die Schüler sind trotzdem noch nicht alle zurück, warum sollten sie auch? ;-) Ich freu mich auf jeden Fall drauf, vor allem mal wieder vorran zu kommen. Außerdem schreib ich momentan Bewerbungen für die Zeit nach Ghana. Gefühlt bin ich schon zu 25% weg, irgendwie ein bedrückendes Gefühl, auch wenn ich mich auf Deutschland freue. Liegt wahrscheinlich auch daran, dass ich jetzt schon Termine für August und September in meinem Kalender stehen habe. Meine momentane Lieblingsbeschäftigung? Den Marschtanz von den Leinis für die neue Kampagne zu lernen (dank Anjas Training per Video)! Annas neue Lieblingsbeschäftigung? Mich dabei auszulachen wie ich vor meinem Handy rumhampel und versuche die Spiegelverkehrtheit (Achtung neue Wortschöpfung) auszutricksen. Bevor ich mich verabschiede möchte ich diesen Blogeintrag der Person widmen, von der das Zitat oben stammt ;-) Eine weitere Lieblingsbeschäftigung ist natürlich auch immer noch der Strand :p Jetzt reichts aber auch wieder - ich drücke euch! Eure Eva

1 Kommentar 7.5.14 18:36, kommentieren

Can you eat?

“Bronyi kokoo* how are you? I’m fine – thank you. And you?”

Ein Lied, das scheinbar jedes ghanische Kind als musikalische Früherziehung lernt. Zumindest in Komenda. Mit diesem Lied werden nämlich alle „Weiß-Roten“ begrüßt. „Bronyi“ ist hier jedoch – zumindestens in den Regionen in denen Akan gesprochen wird – die gängige Ansprache für Menschen aus dem Westen. Diese Ansprache erfolgt natürlich nicht diskret, die Rufe erfolgen quer über die Straße, manchmal sogar durch das halbe Dorf. Getoppt wird das dann alles noch ab und zu von angefasst oder fotografiert werden. Einmal in einem Supermarkt hatte ein kleines Mädchen Angst an mir vorbei zu gehen und hat angefangen zu weinen – ihre Mama hat mir erklärt das ich die erste weiße Person gewesen bin, die das Mädchen in ihrem ganzen Leben gesehen hat. Für mich zu diesem Zeitpunkt ziemlich unvollstellbar. 

Ich würde lügen wenn ich behaupten würde das es sich nicht komisch anfühlt wegen seiner Hautfarbe anders behandelt zu werden. Egal ob im positiven oder negativen Sinne. Wenn man sich vorstellen würde das in Europa jemand über die Straße „Hey Schwarzer“ ruft und fragt ob er ein Foto von ihm machen darf, wie schnell würde dort der Begriff Rassismus fallen?! Warum das hier so ist? Ich persönlich würde es hier vielleicht als „korrekten Rassismus“ bezeichnen. Meiner Meinung will mich hier niemand besser oder schlechter machen in dem er mich „Bronyi“ nennt – hier werden die Dinge einfach benannt wie sie sind. Niemand hat hier ein Problem damit zu einem Anderem zu sagen dass er zugenommen hat – hier heißt das dann ganz charmant „You have grown big!“. Ganz einfach. Ohne bösen Hintergedanken.

Meine Schüler interesseiren sich sehr für die Unterschiede zwischen Deutschland und Ghana. Ich hab mal versucht diesen krassen Unterschied zu erklären. Sie haben mich ungläubig angeschaut und gemeint: „But I am black, why should you not call me black?“ Klar, Europa hat in dieser Hinsicht eine Vorgeschichte die man nicht vergessen oder runterspielen darf. Aber hat sie nicht trotzdem recht? Schließlich sollte mit dem Begriff „schwarz“ keinerlei negative Assoziationen miteinhergehen.

Ich könnte noch viel mehr Begegnungen aufzählen, die mir verdeutlicht haben wie groß die Ungleichheit zwischen weiß und schwarz noch ist. Eine konkrete davon wird wahrscheinlich für immer in meinem Kopf präsent sein. Ich saß im Trotro, in der Reihe vor mir eine Mutter mit ihren drei Kindern, zwei Töchtern und einem Sohn. Anfangs waren die Kinder ziemlich schüchtern, haben  immer wieder über ihre Schultern geschaut, mich angelächelt und verlegen gewunken. Irgendwann haben sie sich dann getraut mit mir zu sprechen. Sie haben mich gefragt wie ich heiße und wo ich herkomme – ganz normal. Doch dann musste ich schmunzeln. Die Kleinste fasste meinen Arm an und meinte dann: „Your skin feels like mine!“ Ich war erst mal so perplex das ich gar nicht wusste was ich sagen sollte. Dann kam ihre Schwester mit der nächsten Frage: „Can you eat? And can you sleep?“. Daraufhin folgten viele weitere Fragen ohne das ich überhaupt zur Sprache kommen konnte. Als die Fragenflut dann abebbte meinte ich nur warum ich das alles nicht können sollte. Der  Junge antwortet schließlich: „Because you are white!“ Zack, das saß. Ich war schon wieder total perplex, damit hatte ich nicht gerechnet. Die Mutter mischte sich schließlich ein und erklärte das es außer der Hautfarbe keinen Unterschied zwischen ihnen und mir gibt, dass ich alles kann was sie auch können.

Ich will nicht heucheln, natürlich würden einem in Deutschland bzw. Europa auch genügend solche Beispiele, nur in die andere Richtung, einfallen. In unserer hochentwickelten und scheinbar intellektuellen Welt scheint die Hautfarbe wohl leider doch noch einen so gewaltigen Unterschied zu machen, wie viele ihn einfach nicht wahrhaben wollen. Oder ihn eben doch genau so haben wollen. Aber vielleicht bin es auch nur ich, die zu naiv ist?..                          

*leider hab ich nicht die Fantischrift auf meinem Laptop, wenn es richtig geschrieben wird werden die o durch vertikal gespiegelte c ersetzt.

25.3.14 15:00, kommentieren